Zensur in China: Peking rekrutiert 10′000 Internet-Spitzel
Chinas Zensurbehörden wollen 10 000 Internet-Spitzel anwerben, um die Kontrolle der Partei über die Online-Inhalte zu stärken. Mit einer entsprechenden Software war Peking zuvor gescheitert.
Zehntausende von Chinesen sollen künftig als freiberufliche Online-Spitzel das Netz auf «ungesunde Inhalte» wie Pornografie oder Regierungskritik durchforsten und diese der Polizei melden. Nach Angaben von Pekings stellvertretendem Bürgermeister Cai Fuchao will die Hauptstadt bis Ende des Jahres 10’000 «freie Mitarbeiter» rekrutieren. Dies gilt als Pilotprojekt. Die wahre virtuelle Mobilmachung soll erst stattfinden, wenn später alle chinesischen Städte Pekings Beispiel folgen.
Mit der Initiative will die Zentralregierung offenbar ihre bröckelnde Kontrolle über Informationen und Meinungen zurückgewinnen. Denn obwohl China bereits den technisch und personell wohl aufwendigsten Zensurapparat der Welt besitzt, kommen im Internet immer wieder Nachrichten in Umlauf, die Peking nicht genehm sind, sei es durch Fotos vom Tiananmen-Massaker oder Enthüllungen über Korruptionsfälle. In einem internen Schreiben an alle Verwaltungsebenen meinte die Partei Ende Mai warnend, das Internet könne «die öffentliche Meinung über die Partei und die Regierung radikal verändern».
Der Versuch das Problem technisch zu lösen war bisher gescheitert. China hat zwar ausgeklügelte Systeme zur Filterung unliebsamer Inhalte, dieses kann aber immer nur einen Teil zensurieren und funktioniert noch nicht so wie gewünscht.
Quelle: NZZ
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